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Kommunikation mit sich und anderen

Synästhesien spielen zunächst eine Rolle für den Betroffenen selbst: als persönliche Eindrücke, zum Orientieren und Sortieren von Erlebnissen und als wichtiger Bestandteil des Erinnerns. Hierbei fungieren die synästhesichen Mitempfindungen als Hintergrund oder auch als private "Sprache".

Neben dieser Form der Selbstkommunikation spielen die Synästhesien natürlich auch im Austausch mit anderen Menschen ein Rolle. Faßt man Synästhesien und synästhetische Mitempfindungen weiter, dann wird jeder Situationen kennen, in denen er infolge fehlender Begriffe eine passende synästhetische Umschreibung wählt. Wir verstehen, was mit einer "schreienden Farbe" oder "trockenem Wein" gemeint ist, da uns beispielsweise die Ähnlichkeit zwischen einer intensiven Farbwahrnehmung und eines durchdringenden Geräusches bekannt ist.

Sprechen über Unaussprechliches?

Der Neurologie R. Cytowic schreibt "Synästhetische Wahrnehmungen sind abstrakt. Es sind schlichte unkomplizierte Wahrnehmungen; Kleckse, Linien, Spiralen, Gittermuster, glatte oder rauhe Oberflächen, Geschmacksempfindungen wie salzig, süß oder metallisch. Synästhetiker sehen keine komplexen Bilder wie Almweiden o.ä."

Aber wie kann das im Alltag und im Umgang mit den Mitmenschen kommuniziert werden? Haben synästhetische Eindrücke Anteil am Alltagsgespräch oder ist das eher eine private Innenwelt, welche keinen sprachlichen Ausdruck findet?

Synästhetiker berichten darüber verschieden. Zunächst einmal nutzen sie ihre synästhetischen Eindrücke für ihre innere Orientierung: zum Erinnern, Speichern, Sortieren von Eindrücken.

Da die Synästhesien von anderen nicht verstanden werden und sprachlich zumeist auch nicht mitteilbar sind, spielen sie in Gesprächen oft keine Rolle. Oder man behilft sich mit Umschreibungen des "als ob": "es ist, als ob ich ein Stück Rinde anfasse".

Metaphern und Sprachbilder

Sicher kennt jeder Ausdrücke wie "schreiendes Grün", "stechendes Pink" oder "trockener Wein". Dabei ist oft nicht klar, ob es sich dabei um eine Umschreibung eines Eindrucks handelt oder ob wir tatsächlich "mehrsinnlich" wahrnehmen.

"Warme Farben" oder "kalte Farben" - haben wir das nur gelernt oder empfinden wir das tatsächlich so?

Oft fehlt uns das passende Vokalbuar. Gerade im Bereich der Farben greifen wir auf farblich allgemein bekannte Dinge zurück und sprechen von "taubenblau", "tomatenrot", "zitronengelb".

Diese Umscheibungen spielen in der Dichtung, im Alltag und auch für Synästhetiker eine Rolle. Denn sie können ihre synästhetischen Eindrücke nur annähernd sprachlich ausdrücken und greifen auf Formulierungen wie "als ob " zurück, weil es oft nicht anders möglich scheint, ein Erleben mitzuteilen.

Schreiendes Grün?
Schreiendes Grün?
Stechendes Pink?
Stechendes Pink?